Frauen gehören aufs Boot und das nicht UNTER Deck, sondern in leitender und tatkräftiger Position mitten im Segel-Geschehen – wie es Hind die Gründerin der Les Canouberes in der Eröffnungsrede am Freitagabend auch sagte (sinngemäß übersetzt): “Segeln ist kein Kraftsport und deshalb können Frauen das mindestens genauso gut”. Schnell war also klar – wir sind zum einen hier, um die Leidenschaft des Segelns zu teilen, aber auch um Sichtbarkeit für Frauen zu schaffen und das über Ländergrenzen hinweg. Es gilt außerdem das Motto – Women Only. Dabei wichtig zu betonen, wir entscheiden uns hierbei nicht gegen Männer, sondern für Frauen an Bord. Jede weiß, die Dynamik eines Frauen-Boots ist besonders. Nicht zuletzt ermöglicht das ERASMUS+ Programm die Teilnahme von Frauen, die sich solch ein Segelwochenende in Marseille finanziell nicht leisten könnten. „Das Segeln und das Meer ist für Alle da.“ So fasst es Bertille der „Women for Sea“ aus Frankreich zusammen. Diese Organisation setzt sich dafür ein, dass das Meer ein Ort wird, der vor allem sauber, aber auch inklusiv ist. Außerdem engagieren sich die „Seasters“ aus Italien für weitere spannende Projekte mit dem Fokus – Schutz der Ozeane und Menschen.
Nach einer freudigen Begrüßung am Freitag Abend, lernten wir unsere internationalen Freundinnen bei liebevoll mitgebrachten Snacks und Getränken, direkt am Hafen von Vieux-Port in Marseille, näher kennen. Aber auch wir (v.l.n.r.: Pauline aus Köln, Lina aus Hamburg, Anna aus Berlin und Monika aus Leverkusen) trafen uns zum ersten Mal. Sofort verstanden wir uns prächtig.
Nach einer doch eher kurzen Nacht ging es am Samstagmorgen nach einem Croissant und Kaffee mit der Vorbereitung der Boote los. Jede wurde auf unterschiedliche Boote aufgeteilt – Pauline und Anna vertraten die Seglerinnen jeweils auf einer J70, Monika und Lina auf jeweils einer Grand Surprise. Mit Ausnahme von Lina, waren wir alle gespannt auf das was kommt, noch nie waren wir bei einer Regatta dabei gewesen. Lina, als bereits geübte Racerin, übernahm auf der Grand Surprise direkt die Position am Bug des Schiffs und kümmerte sich um den Spinnaker. Noch am Morgen setzten wir die Segel, allerdings mit wenig Hoffnung auf viel Wind, denn die Vorhersage versprach wenig – im besten Fall sechs Knoten. Aber wir wurden positiv überrascht. Ab Mittag gab es bestes Segelwetter mit gut gelegenen Pausen zwischendurch, die wir zum Schwimmen nutzen. Die Windstärke lag meist bei 6-8 Knoten. Beste Konditionen also, um sich gemeinsam mit der Crew einzufinden und das Boot kennenzulernen.
Größte Herausforderung dabei – die Sprache. Meist einigten sich die Crews auf Englisch mit gelegentlichem Französisch. Auch mit Händen und Füßen wurde im Zweifel kommuniziert. Nach drei kleinen Regatten fuhren wir gegen Abend erschöpft nach Marseille zurück, leider ohne Wind. Der war bereits beim letzten Rennen verpufft. Die J70 mit Pauline schaffte es gerade so schaukelnd ins Ziel. Links und Rechts an den Wanken festhaltend – wogen sie das Bötchen hin und her. Einige Schiffe gaben auch schon frühzeitig auf. Monikas Skipperin versuchte alles, um noch die Ziellinie zu erreichen, doch die Jury beendete das Rennen, bevor sie die erlösende Linie überfahren konnte.
Der Sonntag begann ruhig, die Vorhersage sagte eigentlich bis zu 15 Knoten an. Doch das blieb aus. Statt geplantem Start um 11 Uhr, sprangen wir erstmal ins Wasser, um uns abzukühlen. Dann hieß es warten. Die ersten Lunch Boxen wurden noch vor getaner Arbeit geplündert. Nach einer ganzen Weile entschied die Jury: Wir fahren weiter raus. Gesagt, Getan. Neuer Ort, aber weiter ging das Warten…es wurde wieder gebadet. Irgendwann kam dann aber doch eine leichte Brise. Oh, ist das der versprochene Wind? Ja, da war der Wind und was für einer. Der hatte wohl im Stau gestanden und jagte uns mit bis zu 20 Knoten Böen um die Ohren und riss uns schlagartig aus unserer Dümpelei. Rettungswesten an, Vorsegel raus und Abfahrt!
Erster Pfiff, 1 Minute Countdown. Zweiter Pfiff – Beginn der 5 Minuten bis zum Start. Paulines J70 gelingt der Start einwandfrei, jedoch liegen sie nach der ersten Boje nur knapp auf Platz zwei. Lina und Anna – heute gemeinsam auf einer Grand Surprise – kämpfen sich durchs Starterfeld und auch Monika ist nicht weit weg. Nach knapp einer halben Stunde jagen alle durchs Ziel: Stolz, aber auch etwas nass. Mit mehr als 10 Knoten im Rücken geht es direkt zurück in den Hafen. Die Siegerinnen-Ehrung steht schon bald an. Als die Boot geputzt und verstaut sind, sowie alle geduscht, ist der Treffpunkt der Hinterhof des Yachtclubs.
Pauline schafft es mit ihrer Crew und Skipperin Hind tatsächlich aufs Treppchen, Platz 2 unter den J70. Toller Erfolg für die Frauen. Schon nach kurzer Zeit entstand hier ein super Team. Einen Abschiedstrunk gibt es auch noch. Doch schon nach und nach müssen die ersten los. Nur wir deutschen Frauen blieben zurück und gingen in der Stadt noch gemütlich eine Pizza essen. Mit einer Flasche Rotwein setzten wir uns etwas später auf eines der Boote, indem wir die letzten Nächte geschlafen hatten und quatschten noch bis nach Mitternacht. Wir wollten das Wochenende eigentlich nicht gehen lassen, doch die Erschöpfung nach den aufregenden Tagen war zu spüren.
Pauline Geiben






